Die Geschichte

Als “Mercedes unter den Kapitalanlagen” wurde der Dreiländer-Fonds des Initiators Walter Fink angepriesen und über Strukturvertriebe, wie z. B. den Allgemeinen Wirtschaftsdienst (AWD) und die FG-Finanz-Service AG, an Zehntausende von Kleinanlegern verkauft. 

“Besonders sicher durch ihre Risikostreuung” sollten die Dreiländer-Fonds sein und als alternative Altersvorsorge dienen. Nur allzu gerne wurden auch Kredite mitvermittelt, um den Fonds-Anteil überhaupt finanzieren zu können – schließlich gab es dafür zusätzliche Vermittlungsprovisionen von der Bank.

Und heute?

Die prognostizierten Einnahmen der Fonds werden nicht erwirtschaftet. Anleger müssen Kredite bedienen, deren Zins und Tilgung sie jeden Monat finanziell belastet bzw. wirtschaftlich in den Ruin treibt. Die alternative Altersvorsorge hat sich als “Fass ohne Boden” herausgestellt. Die meisten Anleger begreifen erst jetzt, dass ihre vor Jahren gezeichnete Kapitalanlage eigentlich eine unternehmerische Beteiligung darstellt. Auch müssen sie leidvoll mit ansehen, wie die damit verbundenen Risiken (sprich Verluste) sich heute in aller Härte bewahrheiten.

Es gibt Dinge, die vergisst man ein Leben lang nicht mehr…

Eines meiner Erlebnisse aus dem Jahre 1995:

Von dem Gutachter Bernd Müller kam damals der Tipp, dass die Drei-Länder-Fonds ein spannendes Projekt für uns seien. Ich lud damals einen von mir sehr geschätzten Journalisten ein und die damals neu eröffnete Pizzeria um die Ecke diente uns als Besprechungsraum (war-room). Ich spare mir die Aufzählung der weiteren Treffen – nur eins sei soweit verraten: Es war der Startschuss langer und intensiver Recherchen. Das Stuttgarter Fernsehen (SDR) brachte 1997 einen nüchternen Bericht im Format „Schlaglicht“. Kurz darauf wurde der von Deyhle so heiß ersehnte Börsengang von einer der Konsortialbanken abgesagt. Wir sprechen hier von dem Börsengang der Stella AG.

1997 – Kein Börsengang der Stella AG
Nach mehrfacher Ankündigung (seit 1994) des Börsenganges der Stella AG wird dieser endgültig abgesagt. Trotz aller Bereinigungsmaßnahmen seitens der Stella AG sehen sich die Banken außerstande, „mit diesen Zahlen“ ein going public durchzuführen.

Wie wurde die Stella AG eigentlich zu diesem globalen Mieter für die Fonds?

Die Gebrüder Kurz hatten die Musicals nach Deutschland gebracht. In vielen Gesprächen hat mir Herr Kurz die Geschichte so erklärt:

Auf Empfehlung der früheren Bayerischen Hypotheken und Wechselbank wurde ein Kontakt zu Herrn Deyhle hergestellt. Schnell wurde Herr Deyhle Miteigentümer und später stärkster Eigentümer des Musical-Konzerns. Herr Kurz sprach immer wieder davon, dass die fachliche Kompetenz betreffend Musicals nicht besonders ausgeprägt war. Insbesondere hob Herr Kurz immer wieder hervor, dass das mehr oder weniger mietfreie Nutzen der Veranstaltungsräume wichtig für das positive Ergebnis war. Die vertraglich vereinbarten und in den Prospekten genannten Mieten betrugen 1997 ca. 50 Millionen DM und 1998 ca. 75 Mio DM… 2006 hätte die Stella AG ca. 94 Millionen DM Miete für Stuttgart zahlen müssen (Prospekt Kapital-Consult GmbH 9. Auflage). Bis 2025 hätten sich die Mieteinnahmen auf ca. 178 Millionen DM erhöht. Der spätere Insolvenzverwalter der Stella kommentierte es inhaltlich mit „total überzogenen Vorstellungen“. Natürlich durfte der Hauptmieter nicht in die Insolvenz gehen, deshalb der Rettungsversuch.

1998 – Rettungsversuch der Stella AG
Das Sanierungskonzept sieht vor: 1.) Abtrennung der Stella AG aus dem Verbund der Deyhle-Gruppe, 2.) Ausgleich der Stella-Forderungen durch die Deyhle-Gruppe, um einen Millionen-Wertberichtigungsbedarf zu vermeiden, 3.) drastische Kostenreduzierung bei der Stella AG und 4.) Sanierungskonzept aller Deyhle-Gläubiger einschließlich Banken. 5.) Drastische Reduzierung der Mietzahlung, verminderte Einnahmen für den Fonds; die im Gegenzug überlassenen Aktienanteile an der Stella AG erweisen sich wenig später als wertlos.

Der Rettungsversuch scheiterte.

1999 – Konkurs der Stella AG
Nachdem die Gläubigerbanken der Stella AG wegen Aussichtslosigkeit des Sanierungskonzeptes weitere Gelder verweigerten, muss die Stella AG beim Amtsgericht Hamburg die Insolvenz anmelden.

Parallel gab es verschiedene Berichterstattungen, die regelmäßig Prozesse vor dem Landgericht Stuttgart nach sich zogen. Diese Taktik, war mit dafür zuständig, dass sich die Presse sich immer zurückhaltender verhielt. Trotzdem brachte die Berichterstattung spannendes zu Tage; unter Anderem, dass Deyhle durch den Gesamtfonds 94/17 (SI1 und SI2) etwa 250 Millionen DM mehr einnehmen durfte als für die schlüsselfertigen Immobilien überhaupt bezahlt wurde. Waren das überzogene pre-opening-Kosten? Ein wertvolles Pfand betreffend der Kreditrückführung u. A. bei der Bayerischen Hypotheken und Wechselbank? Vieles spricht dafür.

Um das Wort Drei-Länder-Fonds noch einmal aufzugreifen – Hier finden Sie einen Depotauszug zu dem Schweizer Wertpapierdepot, das leider nie die Größe von den prognostizierten knapp 800 Millionen erreicht hat. Auch der US-Immobilienteil hatte nicht, wie man es von einem Mercedes-Stern erwartet hätte, ein Drittel des Fondsvolumens ausgemacht.


(Erklärung des Mercedes-Stern in diesem Videobeitrag ab der 10. Minute)

Es war erheblich weniger. Also eher ein ziemlich verzerrter Mercedes-Stern.

2000 – AWD verschiebt Börsengang
Da der Allgemeine Wirtschaftsdienst (AWD) in seinem ursprünglichen Emissionsprospekt Haftungsrisiken aus möglicherweise fehlerhafter Anlageberatung im Zusammenhang mit dem DLF verschweigt, muss der Prospekt nachgebessert werden. Der AWD-Börsengang verschiebt sich um mehrere Tage. (Hintergrund: Zwischen 1993 und 1996 haben AWD-Mitarbeiter für ca. 700 Millionen D-Mark DLF-Anteile vermittelt.)

Selbstverständlich erhielt der Anleger immer pünktlich seine Rechenschaftsberichte. Diese seitenstarken „Schinken“ enthielten für jeden Wirtschaftsprüfer, wenn auch mit kleinem Aufwand erarbeitbar, genau diese Informationen.

Auch bekam zeitweise der Initiator zusätzliche Provisionen aus der Schweiz. Nachdem dies publik wurde, zahlte er diese auch zurück.

Ein weiterer netter Hinweis kam von der Bankenaufsicht. Erst nach langem Streiten erlaubte man der Bayerischen Hypotheken und Wechselbank, dass die aufgenommenen Darlehen betreffend SI1 und SI2 (Baukosten-Dokument1Baukosten-Dokument2) in den Deckungsstock der Bank aufgenommen werden durften. Anfangs vertrat die Aufsicht den Standpunkt, dass es sich um eine Spezialimmobilie handelt, die aus diesem Grund nicht in den Deckungsstock aufgenommen werden darf (Drittverwendungsnachweis).